Das Militär Francalls

Die Geschichte des Landes Francall, so friedliebend die Bewohner im Allgemeinen auch sein mögen, ist gekennzeichnet von Konflikten und Kriegen. Obwohl die Aufzeichnungen nur bis an das Ende der Dunkelheit zurückreichen, ist die Liste der bewaffneten Auseinandersetzungen sehr umfangreich. So ist es nicht verwunderlich, dass es in allen Ländereien Francalls mehr oder weniger viele bewaffnete Einheiten gibt.
 
Die militärische Macht des Reiches und der einzelnen Grafschaften lässt sich in vier Hauptbestandteile aufgliedern:
- die Hochseeflotte
- stehendes Heer
- Miliz
- besondere Einheiten
 
 
Die Hochseeflotte
Die Weinfurther Flotte, wie der Marineverband Francalls wegen seiner Hafenstadt auch genannt wird, besteht in der jetzigen Form erst seit knapp dreissig Jahren.
Als einziger Hochseehafen Francalls ist Weinfurth auch einziger Zugriffspunkt der Piraten auf Francall. Das in Hesselberg gelegene Südwacht mit seinem nur für kleinere Langschiffe geeigneten Hafen ist eher unbedeutend für die Seeräuber, auch wenn man gelegentlich die Verteidigungsstärke sondiert. Nicht alle Piraten halten es für sinnvoll, ihr Heimatland anzugreifen, doch einige stören sich nur wenig daran. Da die relativ weitläufigen Hafenanlagen Weinfurths zur Verteidigung nicht ausreichend geeignet waren, wurde mit Unterstützung der Gilde der Schiffsbauer eine Flotte auf die Beine gestellt, die die Kreise der Piraten stark einschränken und Weinfurth vor deren Zugriff schützen sollte.
Im Jahre 272 nED wurde auf Grund der nicht abreissenden Piraten-Bedrohung von der Grafenrunde beschlossen, endgültig dagegen vorzugehen. Einstimmig entschied man sich dafür, dass jede Grafschaft innerhalb der kommenden 3 Jahre eine voll ausgerüstete Galeasse samt Mannschaft aufzustellen. Weiterhin wurden alle Baronien dazu verpflichtet, ein Langschiff mit Besatzung beizusteuern. Auch die Handelsgilde beteiligte sich mit zwei Galeassen an der Kriegsflotte.
Am Ende des Jahres 275 nED war es dann soweit: unter der Führung eines Weinfurther Admirals (darauf einigte man sich als Zugeständnis für kostenlose Hafenliegeplätze) stand die Flotte war bereit und konnte nun Weinfurth und die Handelsrouten schützen.
 
Admiral Kaiman von Marberg mit seinem Flaggschiff "Stolz von Weinfurth" führte die Flotte in den letzten Jahren zu Berühmtheit. 4 gefangene Kapitäne in zwei Jahren, so die großartige Erfolgsbilanz des Admirals, sowie einige Strafexpeditionen, sorgten für einen hervorragenden, legendären Ruf der Flotte in der Bevölkerung. Dabei unbeachtet bleiben die zweifelhaften Methoden des Admirals. So wird von Gefangenenverbrennung gesprochen, Folter von Frauen und noch grausameren Dingen. Dies wurde aber nie offiziell bestätigt, einzig der Erfolg des Admirals sorgt für Anerkennung aus Kreisen der Grafenrunde. Unter den Piraten natürlich sorgt der Admiral für Hass und Angst. Es gehen Gerüchte um, dass aufgrund des gemeinsamen Feindbilds ein nie für möglich gehaltenes Bündnis der großen Familien im Kommen ist, um den Admiral und seine Flotte zu schlagen und Weinfurth einen Schlag zu versetzen, den es nicht all zu schnell vergessen sollte. Aber von einem solchen Bündnis ist man wegen der Unstimmigkeiten und dem Hass unter den Piraten weit entfernt, und keine Familie ist alleine stark genug, der Flotte und dem Admiral entgegen zu treten.
Allerdings hat die Weinfurther Flotte in verschiedenen Gefechten und Stürmen bereits mehrere Schiffe verloren, welche bis zum heutigen Tage nicht durch neue ersetzt worden sind.
 
Momentane Flottenstärke:
- 12 Kriegsgaleassen (Handelsgilde 2, jede Grafschaft ausser Hasenfurth und Stichbergen 1)
- 5 Langschiffe (Neuenmarkt, Nordernwacht, Ostmark, Schwefelfels-Anwil, Walderschaff)
- 2 Feuerschiff-Pinassen (Oppidium)
 
Stehendes Heer
Unter dem stehenden Heer versteht man in Francall alle Truppen, welche auch in Friedenszeiten aktiv ihren Dienst versehen. Nachfolgend nun eine grobe Aufteilung, wie man sie auch an der Kriegerakademie zu Oppidium gelehrt bekommt. Allerdings hat sich gezeigt, dass Theorie und Praxis an den entfernteren Ecken des Landes oft weit auseinander stehen, sowohl positiv wie negativ.
 
Reguläre Einheiten: Sie stellen den grössten Teil der Soldaten aller Grafschaften und sind meistens an strategischen Punkten nahe der Grafschaftsgrenzen stationiert, wie z.B. an Handelsstrassen, Pässen oder Flussübergängen. In einigen Grafschaften sind sie auch zentral in wichtigen Ortschaften kaserniert und können so grössere Gebiete abdecken.
 
Grenztruppen: Ihre Hauptaufgabe ist, neben Grenzkontrollen und dem Kassieren von Zöllen in Friedenszeiten, im Falle eines Angriffes die gegnerischen Truppen so lange aufzuhalten, bis Entsatzeinheiten aus dem Hinterland nachgezogen werden können.
Der Kern der Grenztruppen besteht aus wenigen Berufssoldaten im Rang eines Weibels (Sergeant), während der Rest von Milizionären gestellt wird, welche ihren jährlichen Wehrdienst ableisten.
 
Stadtwachen: Ihre Hauptaufgabe ist es, in den Städten und grösserem Märkten für Ruhe und Ordnung zu sorgen und im Falle eines Aufstandes wichtige Gebäude und Personen zu schützen. Sie kontrolliert den Zugang zur Stadt an den Toren und dient als Verstärkung für andere der regulären Einheiten.
 
Büttel: Diese von den Grafen eingesetzte Justizwachen haben eine intensive Ausbildung in den Rechten und Gesetzen Francalls und der jeweiligen Grafschaft erhalten. In grösseren Städten und Märkten fungieren sie als Gerichtsdiener, während sie in ländlichen Gegenden, wo jeweils zwei Büttel für mehrere Dörfer und Siedlungen zuständig sind, sowohl Ordnungs- wie auch bei geringfügigen Verbrechen Richteraufgaben übernehmen. Büttel sind dazu ermächtigt, zur Ausübung ihrer Pflicht Helfer zu ernennen, welche für die Dauer dieser Aufgabe den Status eines Hilfsbüttel innehaben.
 
Gardisten: Die Grafengarde und Fürstengarde sind die von der Bevölkerung am meisten bewunderten Einheiten, während sie von den Grenztruppen eher belächelt werden. Zwar sind die einfachen Soldaten sehr gut ausgerüstet und ausgebildet (kommen sie zum Teil ja aus den Grenzeinheiten), so gibt es unter den ausschliesslich adeligen Offizieren nur wenige kompetente Männer, da man nur über Beziehungen und Verwandschaft in die Reihen der Gardeoffiziere aufgenommen wird.
Die Garde ist im Grunde genommen zweigeteilt: der grössere Teil besteht aus Paradesoldaten mit vielen Offizieren, während der kleinere Teil ausschliesslich aus verdienten Veteranen besteht und als Palast- und Leibwache dient. Dieser Teil untersteht direkt dem jeweiligen Grafen und wird nicht von höheren Offizieren befehligt.
Im Kriegsfall wird ein Teil der Garde in kleinere Gruppen aufgeteilt, welche dann zur Ausbildung und Führung von Milizeinheiten eingesetzt werden.
 
 
Die Gesamtstärke aller regulären Einheiten wird auf ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung geschätzt, was natürlich je nach Grafschaft variieren kann.
 
 
Miliz
Im Falle eines Krieges besteht der weitaus grössten Teil der Truppen aus Bauern und Stadtbewohnern. Jeder männliche Francaller im wehrfähigen Alter von 16 bis 40 Jahren ist grundsätzlich dazu verpflichtet, für die Verteidigung seiner Grafschaft einzustehen, wenn er nicht ausdrücklich von dieser Pflicht befreit wurde. Dies kann nur vom Grafen oder seinem Vertreter auf Grund von körperlicher oder geistiger Untauglichkeit, wirtschaftlicher Unabkömmlichkeit und dem Freikauf aus dem Militärdienst beschlossen werden.
In allen grösseren Städten und Märkten sind Waffenlager angelegt, um die Milizionäre ausrüsten zu können. Weiterhin sind alle Milizionäre dazu verpflichtet, jedes Jahr für jeweils einen Monat Soldatendienst zu leisten. So wird sichergestellt, dass im Kriegsfalle die Miliz ausreichend im Umgang mit der Waffe bewandert ist. Da in den raueren Gebieten Francalls der Umgang mit Waffen teilweise lebensnotwendig ist, gibt es auch in den Reihen der Miliz einige Gruppen mit erheblichem Können, was im Vergleich mit ausgebildeten Soldaten der regulären Truppen aber trotzdem am unteren Ende der Möglichkeiten anzusiedeln ist. Während die regulären Einheiten eher schwere Kampfeinheiten stellen, so sind die Milizen im Normalfall leicht gerüstet und bewaffnet.
 
Zeichnet sich eine bewaffnete Auseinandersetzung grösseren Ausmaßes ab, so werden die Milizionäre zu den Waffen gerufen. Dieser Aufruf muss von jedem befolgt werden. Vor Ort in den Garnisonen kann im Einzelfall noch einmal entschieden werden, ob jemand einsatzfähig ist oder nicht.
Je nach Fähigkeit mit verschiedenen Waffen werden die Bauern in Gruppen aufgeteilt, welche von einem Gardisten geführt werden. Mehrere dieser Gruppen werden von einem Adeligen oder einem Ritter befehligt.
 
Da es seit langer Zeit keine Generalmobilmachung mehr gegeben hat und auch bei jüngeren Konflikten nie auf die gesamte Milizstärke zurückgegriffen wurde, ist nicht bekannt, wie viele wehrfähige Milizionäre es in Francall gibt. Schätzungen zufolge liessen sich jedoch mindestens 20.000 Milizionäre ausheben, im Angesicht der starken Abneigung des gemeinen Francallers gegenüber der Dunkelheit eher noch mehr.
 
 
Besondere Einheiten
In Francall gibt es weitere bewaffnete und vom Reich anerkannte Gruppen, die zum grössten Teil nicht unter direkter Kontrolle eines Grafen oder des Fürsten stehen.
 
Söldner: Von der Gilde in Baruthia ausgehend gibt es mehrere Gruppen von Glücksrittern und käuflichen Waffenknechten, welche sich gegen bare Münze für einen gewissen Zeitraum anwerben lassen. Im allgemeinen ist ihr Ausbildungsstand dem von erfahrenen Soldaten gleichzusetzen.
Denkt man an Söldner, so hat man meistens einen geldgierigen Rüpel vor Augen, welcher bei einem besseren Angebot sofort die Seiten wechselt. Zu früherer Zeit mag dies wohl so gewesen sein, aber durch die Organisation in einer Gilde, welche auch einen Sitz im Gildenrat inne hat, hat sich dies grundlegend geändert.
Ist eine Gruppe durch die Gilde in die Söldnervereinigung aufgenommen worden, so gelten für sie verschiedene Rechte (wie zum Beispiel festgelegte Soldstufen oder Anerkennung als Soldaten) und Pflichten (wie zum Beispiel Vertragserfüllung oder Einhaltung von Schlachtenregeln).
Trotz dieser Vereinigung gibt es auch weiterhin kleinere Haufen von Söldnern, welche sich ohne grossartige Nachfragen von jedem anwerben lassen.
Man vermutet, dass die Gesamtzahl der anerkannten und freien Söldner bei ungefähr 500 Mann liegt.
 
Strafbataillone: Einige Verbrechen werden in Francall mit Militärdienst bestraft. Da man es keinem freien Bewohner des Landes zumuten will, mit einem verurteilten Verbrecher Dienst zu tun, hat man verschiedene Strafeinheiten gegründet, in denen zum grössten Teil Straftäter dienen. Lediglich die Führer dieser Einheiten und eine schwer gerüstete Wachmannschaft sind freie Leute.
Die Aufgaben und Einsatzgebiete dieser Strafeinheiten sind sehr unterschiedlich. So dienen einige Bataillone als Rudermannschaften der Galeassen, während andere zum Beispiel Wachdienst an den Untotengebieten Oppidiums leisten müssen.
Schätzungen zu Folge liegt die Gesamtstärke aller Strafeinheiten bei ungefähr 300 Mann, wobei es jedoch durch viele gefährliche Einsätze und Unfälle zu starken Schwankungen kommt.
 
Barad Caran: Die Wächter und Diener des Roten stellen eine komplett eigenständige Gruppierung dar. Sie unterstehen keiner weltlichen Macht, und obwohl sie wie viele andere dem Wohl des Landes dienen, verfolgen sie doch ihre eigenen Ziele.
So ist es nicht verwunderlich, das sich der Barad Caran in vergangenen Konflikten mehrfach für oder gegen eine bestimmte Sache eingesetzt hat, wenn er sich nicht komplett neutral verhalten hat. Nur eines ist gewiss: geht es gegen die Dunkelheit, so wird man keine besseren und getreueren Waffengefährten finden als die Leute des Roten Turmes.
Aufstellung und Ausrüstung des Barad Caran ist sehr unterschiedlich, daher kann man in einer Kampfgruppe vom leichtgerüsteten Plänkler bis hin zum Stosstrupp in schwerer Plattenrüstung alles antreffen. Auch die kämpferische Fertigkeit ist sehr verschieden, aber bei den Wächtern des Aussendienstes muss man ohne Neid anerkennen, dass sie die Grenztruppen im direkten Duell meistens übertreffen würden.
 
 
Ränge
Die Struktur des Francaller Militärwesens ist recht einfach und dadurch flexibel gehalten.
Die kleinste Einheit ist eine Gruppe, welche von einem Sergeant (Weibel) angeführt wird, stellvertretend von einem Korporal.
Mehrere Gruppen bilden eine Kompanie, die von einem Hauptmann befehligt wird, stellvertretend von einem Leutnant.
Mehrere Kompanien bilden ein Bataillon, angeführt von einem Obersten, stellvertretend von einem Major.
Alle grösseren Truppenansammlungen werden direkt von einem Grafen befehligt, oder einem Reichsritter oder Marschall als Stellvertreter.
 
 
Schlachtenliste
Zum Abschluss folgt hier noch eine kleine Übersicht mit bedeutenden Schlachten seit dem Ende der Dunkelheit. Dabei handelte es sich ausschliesslich um innenpolitische Auseinandersetzungen oder Strafexpeditionen gegen Anhänger der Dunkelheit und sonstiges Gesindel, von äusseren Bedrohungen ist Francall bisher verschon geblieben.
 
28 Barembergh, Weinfurth und Stichbergen rückt unter der Führung des Barad Caran in Hesselberg ein, um einen ehemaligen Kollaborateur der Dunkelheit vom Thron zu stoßen.
 
109 Krieg zwischen den Grafen um den Fürstensitz. Barad Caran hält sich bedeckt.
 
151 Ende der Strafexpeditionen gegen die Orks. Alle Grafen waren beteiligt mit Unterstützung Barad Carans.
 
204 Zerschlagung der Freien Geister durch die Wächter des Barad Caran mit Hilfe Greifenfurths.
 
253 Schlacht auf dem Blutfeld, Baruthia siegt mit Hilfe der Söldner über Kyborgia, Kulm und Stichbergen.
 
265 Krieg Ebersbergs gegen die nördlichen Barbarenstämme.
 
284 Belagerung der Rotenburg durch Barembergh und Baruthia.