Zunftsitzung
 
Vom Handel, den Gilden und den Zünften

Der Handel in Francall läuft weitestgehend über die Flüsse, den Lebensadern Francalls, ab. Zwar gibt es Straßen in Francall, doch oft verdienen sie diesen Namen nicht. Mag es in den Zeiten vor der großen Dunkelheit noch regen Verkehr auf ihnen gegeben haben, so ist dieser doch seit jener Zeit praktisch zum erliegen gekommen. Heute befinden sie sich in einem jämmerlichen Zustand und sind oft nicht mehr als ein Trampelpfad oder schon gar nicht mehr zu erkennen. Und wer es dennoch wagt, auf diesen Wegen zu reisen, der muss damit rechnen, den Räubern, die es praktisch überall in Francall gibt, zum Opfer zu fallen. Somit ist es nur natürlich, dass fast sämtliche Güter in den Bäuchen der Flussschiffe Francalls von Ort zu Ort transportiert werden. Einzig die Grafschaften Baruthia und Ebersberg sind nicht mit den großen Lastkähnen erreichbar, sicherlich ein Grund dafür, dass diese beiden Grafschaften eine eher untergeordnete Rolle im Wirtschaftsleben Francalls spielen.
Die Zölle in Francall werden von den jeweiligen Grafen festgelegt und sind an jeder Grafschaftsgrenze zu zahlen. Und da die Flüsse recht leicht zu kontrollieren sind, stellen die Einnahmen einen nicht gerade geringen Teil der Einkommen der Grafen.
Hochseeschiffe gibt es wenig in Francall, und die wenigen, die es gibt, gehören ausschließlich den Händlern Weinfurths, die auch über den einzigen Hochseehafen Francalls verfügen. Wen wundert es da, dass diese Händler eine Monopolstellung innerhalb Francalls haben, die sie auch sehr gut zu verteidigen wissen.
 
Es ist für einen Händler so gut wie unmöglich, in die elitäre Gilde der Weinfurther Händler, Mercatores genannt, aufgenommen zu werden. Der Vorsitzende diese Handelsgilde, Esben von Bernstein, hat aufgrund seines Einflusses zugleich auch die Vertretung aller Gilden in der Grafenrunde. Zwar gibt es wohl noch ein paar andere Handelsgilden in den anderen Städten Francalls, doch bestehen diese weitgehend nur aus ein paar Krämern und sind sehr lose organisiert und meist auch innerhalb ihrer Gilde sehr zerstritten, so dass sie auch keinen Einfluss auf das Handelsgeschehen Francalls oder auf Francall selbst haben.
Ebenfalls in Weinfurth gibt es die Gilde der Seefahrer, die aber außerhalb Weinfurths nicht weiter bekannt ist.
 
In Baruthia hat sich vor einigen Jahren die Gilde der Söldner konstituiert, die sich vor allem durch ihr innere Zerstrittenheit auszeichnet. Gildenvorsitz ist je nachdem, wer gerade den dickeren Geldbeutel hat. Vor allem in Baruthia selbst streiten sich aber die Meinungen darüber, ob man sich die über diese Gildengründung freuen sollte oder nicht. Da Söldner nicht gerade die Angewohnheit haben, ihr verdientes Geld anzulegen, sondern lieber mit vollen Händen ausgeben, könne sich vor allem die Wirts- und Freudenhäuser nicht über die Situation beklagen. Andererseits lockt die Gilde durchaus auch rauere Gesellen an, mit denen es dann des öfteren Konflikte mit der Stadtbevölkerung gibt. In der Schlacht von Blutfeld jedoch stand die Söldnergilde fast geschlossen hinter Baruthia.
Berühmt ist Baruthia auch wegen seiner Glas- und Porzellanmanufakturen. Sie sind einmalig in Francall, da das Wissen um die Herstellung dieser kostbaren Güter nur einigen Familien bekannt ist, die dieses Geheimnis auch gut zu bewahren wissen.
 
Nördlich von Baruthia grenzt die Grafschaft Kulm, die vor allem für ihre riesigen Getreidefeldern und zahlreichen Kornmühlen bekannt ist, so dass sie sich den Namen "Kornkammer Francalls" durchaus verdient hat. So ist es auch kein Wunder, dass hier das berühmteste Bier Francalls, das legendäre Kulm, gebraut wird. Und so kommt es, dass vor allem die Müller, Büttner und Brauer in dieser Grafschaft viel Einfluss haben.
 
Die Grafschaft Kronfluss-Falkenberg verfügt über die größten Steinkohlevorkommen, die zudem noch im Tagebau abgebaut werden können. Diese wird per Lastschiff über die Flüsse Kitz und Kronfluss bis nach Greifenfurth transportiert, von wo aus sie mit großen Lastkarren auf der Straße über Märzenbach mühsam nach Kyborgia gebracht wird.
Bei weitem nicht so wichtig für diese Grafschaft sind ihre Steinbrüche, deren Produkte über den Kronfluss nach ganz Francall verschifft werden. So ist zum Beispiel der Sitz des Barad Caran gänzlich aus dem berühmten roten Stein Kronfluß-Falkenbergs, dem Porphyr, erbaut.
 
Greifenfurth wiederum verschifft ebenfalls eine Großteil seiner Erzeugnisse. Diese sind vor allem Holz, zuvorderst die mächtigen Eichen, sowie etwas an Steinkohle. Das Holz wird allerdings auch schon oft vor der Verschiffung in einer der Sägewerke Greifenfurths zu Brettern und Balken zurechtgeschnitten. Erwähnenswert sind auch die prächtigen Altmärkischen Kaltblüter, eine Rasse von besonders robusten Pferden, die nur in den Auen Greifenfurths in größerer Zahl gezüchtet werden.
Was Greifenfurth wirtschaftlich etwas einmalig macht, ist das jährlich stattfindende Oktor-Fest in Märzenbach, wofür sich in den letzten Jahren eine ganze Reihe an Zulieferern etabliert hat.
 
Der Kyborgia-Stahl ist weit über die Grenzen Francalls bekannt. In Kyborgia wird in den Bergwerken das wertvolle Eisenerz abgebaut und mit Hilfe der Kohle aus Kronfluss-Falkenberg und Greifenfurth zu diesem geschmeidigen Stahl in den Schmelzerein und Schmieden verarbeitet. Die Ausfuhr des Stahl aus Francall ist an strenge Gesetze gebunden. Um die Qualität diese Stahl aufrecht zu erhalten, gibt es in Kyborgia die strengsten Kontrollen in ganz Francall.
 
Stichbergen wiederum nennt einige Blei- und Schwefelvorkommen zu eigen, eine echte Rarität in Francall, die besonders von den Alchemisten in Oppidium geschätzt wird. Auch Kies wird entlang des Dhains gewonnen, ebenso wie Quartzsand, welcher zu den Glashütten Baruthias transportiert wird. Doch für die restliche Wirtschaft Francalls ist diese Grafschaft eher unbedeutend.
 
Im Gegensatz dazu steht die Grafschaft Donnerstein. Hier findet einmal im Jahr der mit Abstand größte Viehmarkt in Francall statt. Von überall her kommen die Viehzüchter mit ihren Herden, und im Laufe der Jahre entwickelte sich ein Volksfest aus dem ganzen, an dem nicht nur ein Ochse am Spieß endet. Einige Francaller meinen sogar, dieses Marktfest ziehe noch mehr Menschen an als die jährliche Zusammenkunft der Grafen in Barembergh. Der Viehmarkt und das Oktor-Fest in Märzenbach konkurrieren um den Titel des größten Jahrmarktes in Francall.
In Donnerstein werden auch die bekannten, kaltblütigen Rinder gezüchtet, sowie in vielen Webereien die Wolle aus Ebersberg zu Tuche gesponnen.
 
In der Grafschaft Ebersberg werden vor allem Schafe gezüchtet, da die Bedingungen für alles andere eher schlecht sind. Die Wolle wird über die alte Straße nach Donnerstein gebracht, meistens noch mit den Schafen daran, die nach dem Scheren direkt vor den Webereien weiterverarbeitet wird. Die Schafe werden zum Schlachten weiter nach Barembergh getrieben, da die Bürger Baremberghs dem Geschmack Ebersberger Schafsfleisches regelrecht verfallen sind.
 
Barembergh selbst hat keine besonderen natürlichen Ressourcen. Einzig der Barembergher See als unerschöpflicher Quell von Fischen und als Umschlagplatz für die Güter Francalls ist zu nennen. Sehr vieles wird importiert und dann in Barembergh weiterverarbeitet, so zum Beispiel die Tuche aus Donnerstein, und dann in andere Teile Francalls exportiert. Dadurch ist Barembergh zu Wohlstand gekommen, den man auch an vielen Ecken Baremberghs zu sehen bekommt.
 
Die Mark Hesselberg war bis vor 150 Jahren wirtschaftlich eher unbedeutend, doch seit der Entdeckung von Silber hat sich die Situation geändert. So muß das Silber nicht mehr über Weinfurth eingeführt werden, sondern kann direkt in Francall gewonnen werden, sehr zum Verdruss der Weinfurther Händler. Über die Mark läuft auch der Handel mit den Zwergen, der jedoch, genauso wie mit den Elben in Francall, nur in geringem Ausmaße betrieben wird.
 
Wer mit den Elben Handel treiben will, braucht hierfür einen Waldläufer aus Hasenfurth, denn nur diesen bringen den Elben genügend Vertrauen entgegen. Hasenfurth selbst ist landwirtschaftlich geprägt. Hier wird vor allem Hanf und Flachs angebaut. Das einzige verarbeitende Gewerbe von überregionaler Bedeutung sind die Seilereien, deren Produkte vor allem in Weinfurth begehrt sind. Abnehmer im großen Stil für diese Seile ist der Weinfurther Schiffsbau, der jedes Schiff in Francall, sowohl hochseetaugliche als auch die Flussschiffe, fertigt.
Und nur in Hasenfurth gibt es die stolzen und elegant anzusehenden Warmblutpferde, welche besonders vom Adel gerne gekauft und geritten werden.
 
Ebenfalls von Bedeutung ist der Weinanbau, der aufgrund der klimatischen Bedingungen nur in Weinfurth gedeiht. Das wichtigste in Weinfurth ist jedoch unbestreitbar der Handel. Von hier aus werden die Güter Francalls exportiert sowie alle Güter für Francall importiert.
Das allseits beliebte Kulmbier und der Kyborgia Stahl sind die berühmtesten Produkte Francalls und werden auch am meisten in die weite Welt verschickt. Im Gegenzug dazu werden vor allem Gold und edle Tuche wie Samt, Brokat und Seide eingeführt. Auch Gewürze, allen voran Pfeffer, Ingwer, Zimt, Safran und Curry gelangen so nach Francall, sowie alle Güter, an denen in Francall Mangel herrscht.
Das wichtigste Gut von allen ist allerdings das Salz. Zwar kann in Weinfurth Salz aus dem Meerwasser gewonnen werden, doch reicht dies bei weitem nicht aus, den Bedarf Francalls zu decken. Nicht von ungefähr kommt der Francallsche Aussprach "der ist dick wie ein Salzfass", wenn man über einen besonders wohlhabenden Kaufmann spricht. Der Handel mit solchen Gütern wird komplett von der Weinfurther Kaufmannsgilde Mercatores abgewickelt.
 
Das Handwerk Francalls gliedert sich auf in Zünfte. Jedes Gewerk hat seine eigene Zunft, von der es in fast jeder Grafschaft eine Niederlassung gibt. Sie gibt es für Schmiede, Zimmermänner, Schneider, Steinmetze, Büttner, Müller, Waffenschmiede, Gerber, Brauer, Winzer, Glasbläser, Bergmänner, Schiffsbauer, Viehzüchter und Weber. Die Bauern, Köhler und Fischer sind nur lose organisiert und haben auch keine Sitz in der Zunftrunde. Diese Zunftrunde findet parallel zur Grafenrunde in Barembergh am 01. Septembo eines jeden Jahres statt. Hier versammeln sich die die jeweiligen Zunftmeister der Grafschaften. Sie wählen dann einen Oberzunftmeister ihre jeweiligen Gewerks, die wiederum dann den Vertreter der Zünfte für die Grafenrunde wählen. Die Zunftmeister werden vorher in ihrer Grafschaft von allen Meistern ihrer Zunft für ein Jahr gewählt. Meister ist jeder, der durch ein Meisterstück sein Praxiswissen und in einer Befragung sein Wissen über Werkstoffe und Handwerkskunde beweisen konnte und dann von der Zunft zugelassen wurde. Dies passiert in der Regel nur, wenn die Person vorher sieben Jahre als Geselle gearbeitet hat, davon zwei Jahre in Wanderschaft.
Die Zunft als Organisation besteht nur aus Meistern. Geselle wiederum ist ein jeder, der eine siebenjährige Lehrzeit hinter sich gebracht hat und der vor der Zunft eine praktische Prüfung erfolgreich bestanden hat. Ist es noch relativ einfach, Geselle zu werden, so ist es beinahe unmöglich, seinen Meister zu machen, wenn nicht schon auch der Vater Meister war, denn nur solchen ist es erlaubt, einen eigenen Betrieb aufzumachen. Und die Zunft achtet penibel darauf, dass es nicht eines Tages zu viele Betrieb gibt.
 
Abschließend sei noch auf einige besondere Situationen in Francall hinzuweisen. Da es in Oppidium eine Magierakademie gibt und es somit für die Bewohner Oppidiums also auch nicht ungewöhnlich ist, wenn es aufgrund irgendwelcher magischen Interferrenzen mal zu einer Explosion kommt, haben sich sozusagen im Schatten dieser Akademie auch die Erfinder Francalls angesiedelt. Denn hier werden sie nicht gleich aus der Stadt gejagt, wenn mal einer ihrer Erfindungen nicht so funktioniert, wie sie es eigentlich sollte. Denn wenn es knallt, dann ist es dem gemeinen Oppidianer egal, ob es ein Erfinder oder ein Magier war.
Nun ist es aber so, dass die Erfinder es recht häufig zum knallen bringen. Und da der gemeine Oppidianer nicht ständig von herumfliegenden Trümmern und Feuersbrünsten belästigt werden will, hat man alle Erfinder in einen Stadtteil Oppidiums umgesiedelt und diesen mit einer großen und vor allem sehr dicken Mauer vom Rest der Stadt abgegrenzt. So drohen die Eltern in Francall ihren Kindern damit, sie "einzumauern" oder "hinter die Mauer zu stecken", wenn sie nicht folgen. Denn keinem Francaller sind die Erfinder hinter der Mauer so recht geheuer. Und obwohl diese Erfinder alle Nase lang einen neuen Keller, einen neuen Anbau, ein neues Dach oder manchmal sogar ein ganzes neues Haus brauchen, leiden sie nicht unter Geldmangel. Denn gerade die Handelsgilde und die Zünfte unterstützen diese Erfindergilde großzügig, da sie schon oft von den Erfindungen profitiert haben und es in gewisser Weise als eine Investition in die Zukunft sehen. So lässt man die Erfinder gewähren, auch wenn man sie einem doch suspekt vorkommen. Als Folge ihrer Erfindertätigkeit hat sich im übrigen auch die einzige Feuerwehrgilde in Francall in dieser von Erfindern und Magiern geplagten Stadt gegründet.
 
Über die Gilde der Assassinen und Diebe in der sagenumwobenen Piratenstadt gibt es nur Mutmaßungen und Gerüchte. Kein Wunder, ist man in Francall doch nicht einmal sicher, ob es diese Stadt überhaupt gibt...